Portrait

Rechte für Tiere und Menschen

In Deutschland sind Tiere praktisch rechtlos. Sie haben lediglich das Recht zu leiden und zu sterben, das war's. Denn das deutsche Tierschutzgesetz ist biegsam, voller Lücken, widersprüchlich und wird selbst bei klaren Rechtsbrüchen nicht angewendet. Behörden sind unwillig, unfähig, überfordert oder korrumpiert. Hätten Sie gedacht, dass in Deutschland 40 Millionen Puten ohne verbindliche gesetzliche Vorgaben gemästet werden? Dasselbe gilt für 25 Millionen Enten. Selbst wenn z. B. die Putenmast ganz klar gegen das Tierschutzgesetz verstößt und durch Inzucht  "längeranhaltende Leiden und Schmerzen ohne vernünftigen Grund" bei Millionen Tieren verursacht werden, bleibt die Justiz untätig.

 

Denn auch der motivierteste Staatsanwalt scheitert an Gesetzen, die maßgeblich von den Lobbyisten der Tierhaltungsindustrie mitverfasst wurden. Verbraucher dürfen in Deutschland Fleisch  kaufen, aber nichts über deren Herkunft erfahren. Datenschutz geht vor Verbraucherschutz, und selbst wenn Menschen durch Tierprodukte in Gefahr sind, gilt der Schutz einer Firma mehr als der Schutz gefährdeter Menschen. Darum ist es heute wichtiger denn je, aufzudecken, zu informieren und Transparenz zu erzwingen. Denn an den unhaltbaren Zuständen in den Tierhaltungen wird sich nur etwas ändern, wenn sich durch Aufklärung und Bildung die Einstellung  der Bevölkerung zu unseren Mitbewohnern auf diesem Planeten ändert.

Darum ist es meines Erachtens notwendig, mit investigativen Mitteln hinter die Kulissen der Tierhaltungsindustrie zu blicken und die Öffentlichkeit zu informieren. Ich arbeite mit journalistischen Methoden der Recherche und Bilddokumentation. Modernste Technik, Whistleblower, Recherche und ein sehr langer Atem sind notwendig, um die verworrenen Firmennetzwerke und Sicherheitsvorkehrungen hinter den freundlichen Werbebotschaften für Fleisch, Milch, Eier oder die neueste Kopfschmerztablette zu entwirren und Einblicke zu erhalten.

 

Von Straftaten für die Tiere wie etwa Sachbeschädigung, Beleidigung oder Drohung  distanziere ich mich ganz klar. Ein Fortschritt für die Tiere wird nur auf friedlichem Weg erreicht werden. Ich kann verstehen, dass Leute angesichts der Ohnmacht und des Leids Sympathien für radikale Vorgehensweisen hegen und klammheimliche Freude bei Angriffen gegen Tierquäler empfinden. Aber jedem, der bei solchen Übergriffen applaudiert, muss klar sein, dass das Überschreiten der roten Linie hin zur Gewalt nur einem nützt, nämlich dem Tiernutzer. Solche Schritte geben den Tierausbeutern die Mittel in die Hand, die sie benötigen, um eine friedliche Bewegung in Misskredit zu bringen und Repressionen des Staates gegen alle lästigen Tierschützer zu fordern. Die viel größere Strafe für diese Todesindustrie, viel größer als jede Gewalttat, ist der friedliche, kompetente und andauernde Widerstand mit Hilfe von Aufklärung und demokratischem Protest. Tierliebe darf auch nicht in Menschenhass münden, denn es geht um alle Lebewesen und gleichwertige Rechte. Hass gegen fremde Menschen  oder andere Völker hat schon so viel Leid und Tod verursacht, eine Bewegung, die für mehr Rechte, für Freiheit und Gleichheit eintritt, kann und darf dabei nicht die anderen wichtigen Probleme zwischen den Menschen vergessen. Tierrechte und Menschenrechte sind eins, wer das trennen möchte, rassistisch, queerphob,antisemitisch oder sexistisch agiert, hat das Ganze nicht verstanden und verfolgt häufig andere Ziele unter der Tarnung des Tierschutzes.

 

Unser Widerstand hat in den letzten drei Jahrzehnten große Erfolge gebracht. Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier verändert sich, ethische Standards werden neu verhandelt und eine friedliche Revolution von unten verändert unsere Konsumwelt, sowie unsere Sicht auf viele Dinge, die jahrtausendelang als unverrückbar galten. Auch andere soziale Bewegungen, wie der Kampf für die Rechte von People of Color oder für Frauenrechte, sowie auch der Kampf gegen Queerphobie wurden verlacht, kriminalisiert und erbittert bekämpft. Am Ende ist der friedliche Widerstand nicht aufzuhalten.

 

Für mich ist die vegane Lebensweise eine wichtige Stütze dieses Wandels. Denn Veganismus bedeutet zwar nicht Perfektion - die gibt es in unserem Leben innerhalb der modernen Welt nicht - aber er bedeutet ein Minimum an Leid und ein Maximum an Schutz für Mensch und Umwelt.

© 2018  Friedrich Mülln.

 

 

Fotos: SOKO Tierschutz e.V


 

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